Woman Schnack: Girls on the boat. Daniela Göttsch und Karen Nielsen im Gespräch über Bücher, Männer und Frauen 50 plus
"Da habe ich gedacht, du bist gerade die eine Milchsemmel los, warum willst du gleich die nächste haben?"
Treffen sich zwei Frauen auf einem Boot in Laboe – und schnacken… Als Daniela Göttsch mich anrief und fragte, ob wir nicht vielleicht mal die neuen Bücher von ihr und Karen Nielsen vorstellen wollten, hatten wir diese Idee: Die beiden machen einen Women Schnack und wir schauen, was dabei rauskommt. Und hier ist es: Ein Schnack über ihre Bücher, Männer, Frauen 50 plus und das wahre Leben.
Karen Nielsen: Ich freue mich, dass wir das hingekriegt haben, uns heute hier zu treffen. Das hat ja schon ein bisschen Zeit erfordert, einen Termin zusammen zu finden. Frauen sind halt viel beschäftigt.
Daniela Göttsch: Ja. Und die haben natürlich auch immer, immer was ganz Wichtiges vor. Und vor allen Dingen abends.
Karen: Genau. So, aber jetzt haben wir es geschafft. Wir sitzen auf unserem schönen Boot.
Dani: Girls on the Boat… Karen, wie bist du drauf gekommen, ein Buch zu schreiben?
Karen: Mit 40 habe ich gedacht, entweder muss ich mir einen Hausfreund anschaffen oder ich brauche einfach mal ein neues Hobby.
Dani: Ich hatte eine Bucket List: Ich wollte bis 60 ein Buch geschrieben haben. Mein erstes Buch ist ja eine Zeitreise-Geschichte und ich bin ein totaler Berlin-20er-Jahre Weimarer Republik Nationalsozialismus Freak gewesen, schon immer. Ich hatte mir immer vorgestellt, wie es denn wäre, wenn ich jetzt in diese Zeit reisen würde. Und daraus habe ich dann eine Geschichte konstruiert, viel Hintergrundrecherchen gemacht. Ja, das hatte ich dann fertig und dann war ich 60 und wollte einfach was Lustiges schreiben…
Karen: Aber du hast es gut verpackt. Das ist echt richtig toll geworden.
Dani: Ja, es ist ja auch eine Liebesgeschichte. Und: Das bin auch ich. Das zweite Buch ist ein humorvolles Buch. Das kannst du am Strand so weglesen. Und das bin aber auch wieder ich. Ich, die vom Tresen gefallen ist, ich, die mit dem Moors in den Brennnesseln hing…
Karen: Also hast du quasi deine Geschichte aufgeschrieben. Und du hast mal gesagt, dass du es auch als Hommage an deine Freundinnen verstanden hast, weil die auch genauso cool ticken wie du.
Dani: Ja, die haben mich in meinem Leben immer wieder aufgefangen, denn ich bin die Chaotin in unserer
Mädelstruppe.
Karen: (lacht) Das kann ich mir gut vorstellen.
Dani: Also ich bin einfach nicht so strukturiert …. Aber was ich nicht kann, das können meine Freundinnen und organisieren das auch seit 28 Jahren für mich.
Karen: Du hast echt gute Freundinnen. Ich habe eigentlich nur zwei gute Freundinnen und so lange kennen wir uns auch noch nicht. Im Alter … sag ich jetzt einfach mal, ich bin gerade 58 geworden, da ist es schon toll, wenn man Leute hat, die einen genau kennen, wo man sich nicht erklären muss, sondern die einen genauso nehmen wie man ist. So wie bei dir, Dani, die achten auf dich: Achtung, Dani kriegt jetzt nix mehr mit, aufgepasst, sonst fällt sie gleich vom Tresen.
Dani: (lacht)
Karen: Es gibt viele Leute, die bestimmt Talent zum
Schreiben haben. Aber das Talent ist das Minimum, um ein gutes Buch zu schreiben. Was du wirklich mitbringen musst und was viel zu wenig anerkannt wird, ist wirklich das Durchhaltevermögen. Und dass man sich immer wieder hinsetzt. Und im Endeffekt ist es ja so, wenn du einmal in der Geschichte drin steckst, lebst du ja mit deinen Figuren.
Dani: Also, bei mir ist es so, dass ich mir Notizen mache. In meinem Leben passieren einfach so viele lustige Geschichten. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die saß auf dem Flug nach New York und neben ihr saß eine Frau, die hatte einen Wohlfühl-Hund dabei. Und der musste in der Mitte sitzen und hat die ganze Zeit gefurzt. (lachen) So was schreib ich mir dann eben auf… Und meine Protagonistin in „Pech im Liebesglück“ ist genauso chaotisch wie ich. Das ist schon irgendwie reine Frauenliteratur, aber ich habe auch schon männliche Leser …
Karen: Das sind die Frauenversteher.
Dani: Genau… Die Freundinnen, die meine Protagonistin hat, das sind auch ähnliche Charaktere wie die Menschen, die ich auch in meinem Leben habe.
Karen: Ah, jetzt legt hier gerade der Seenotrettungskreuer „Berlin“ an und die machen viel Krach .. aber wir schnacken weiter. Aber deshalb kommen deine Geschichten auch so gut an, weil du aufschreibst, was du erlebt hast.
Aber was wollen die Frauen lesen? Viele lächeln, wenn wir sagen, wir schreiben Romane mit Humor.. aber ganz Hollywood liebt leichte Liebesgeschichten.
Dani: Guck dir doch bloß mal „Bridget Jones“ an – das war der absolute Dauerbrenner.
Karen: .. oder auch „Der Teufel trägt Prada“ –
Dani: Das ist doch im Grunde so: Wenn ich an den Strand gehe, dann möchte ich was lesen, wo ich mitfühlen kann …
Karen: Ja genau, ob sie sich noch kriegen oder nicht …
Dani: .. oder: so einen Idioten hatte ich auch mal als Freund …
Karen: 50 plus Frauen finden befinden sich ja oft in einem großen Veränderungsprozess, körperlich und mental verändert sich einfach sehr viel, man stellt noch mal das ganze Leben infrage, fragt sich, was man noch mal ausprobieren möchte…
Dani: Wir haben ja auch schon ein Leben hinter uns, das auch spannend war. Und natürlich kennen wir den Ernst des Lebens, ja, aber man muss es auch nicht immer so ernst nehmen.
Karen: Die wichtigere Frage ist, wie ernst man sich selbst nimmt.
Dani: Ich lache ja immer über mich. Wie gesagt, mir passiert ja immer irgendwas Komisches.
Karen: Ich finde, deshalb passen wir gut zusammen, Dani. Ich hasse Menschen, die sich selbst zu zu ernst nehmen. Und das merkt man ab der ersten Sekunde…
Wichtig im Leben ist doch sich auszuprobieren, glücklich zu sein, Menschen zu treffen wie dich, vielleicht auf Reisen zu gehen und fremde Kulturen kennenzulernen und sich auch mal mitziehen lassen. Und wenn man das alles so ein bisschen schafft und nebenbei noch Geld verdient, auch mit dem Schreiben, dann ist das einfach I‘m living the dream.
Dani: Ich arbeite ja schon mein Leben lang mit Menschen. Und immer kreativ. Als Fotografin bin ich immer nah dran an den Menschen. Und das hilft mir, um meine Geschichten zu füllen. Ich muss mir gar nichts ausdenken, weil alles wirklich passiert ist. Und ich finde, man darf sich von den Meinungen anderer und auch der Lektoren nicht abhängig machen.
Karen: In vielen Romanen und Krimis aus dem Norden, sind die Protagonisten so 35 Jahre alt, die suchen noch ihren Platz im Leben, wo sie denn hingehören. Ich finde es schön, dass es häufiger mal um Frauen geht, die eigentlich schon fertig sind und nochmal neu überlegen können.
Ich habe es mit meinem Buch ja klar auf die 50 plus Frauen abgesehen. Die Charaktere, die ich beschreibe, die haben auch eine Angleichung ans echte Leben, so wie mit deinen Geschichten. Ich war zum Beispiel so überrascht, als eine von meinen Frauen von ihrem Typen verlassen wurde. Das, was sie dann einfach am meisten beschäftigt hat, war: In meinem Alter lerne ich doch niemanden mehr kennen.
Dani: Ist das nicht gruselig?
Karen: Eben, und da habe ich gedacht, Alter, du bist die eine Milchsemmel los, warum willst du gleich die nächste haben? Und dann hat er sich nicht mal eine Jüngere genommen, wo du hättest denken können, ja, gegen straffe Brüste kannste nix machen ..
Dani: Ja, kannst du schon. Du kannst gegen alles was machen. (lachen)
Karen: Das ist ein anderes Thema. Wie weit sollen wir uns verändern, um uns gut zu fühlen?
Dani: Aber was ich auch ganz interessant finde, ist der Spruch: Jetzt bin ich unsichtbar. Auf einmal guckt dir kein Mann mehr hinterer und du denkst, so was geht denn jetzt ab?
Karen: Das ist mir auch aufgefallen, als ich so 55 war. Zuerst dachte ich, okay, du bist jetzt echt weg ..
Dani: Ich habe dann angefangen, mir eine neue Frisur zu machen.. einfach so…Durch solche Kleinigkeiten habe ich dann wieder ein bisschen mehr Selbstbewusstsein bekommen. Und ich muss dazu sagen, wir beide haben natürlich auch großes Glück, dass wir auch Männer haben, die uns zwar voll auf den Sack gehen (lachen)… aber hinter uns stehen.
Karen: Ja, aber ich meine ganz im Ernst, wenn man sowas erlebt hat, dass man betrogen wird … meine erste Intention wäre nicht, mir gleich den Nächsten ins Haus zu holen, sondern dann würde ich erstmal …
Dani: Da würde ich erstmal auf dem Tresen tanzen…
Karen: Ich würde eine Kreuzfahrt machen… ihr könnt mich alle mal, würde ich dann denken.
Dani: Aber sowas von, da würde ich mir den nächsten Barkeeper schnappen.
Karen: Ja toll, der schnappt sich dich nicht mehr …
Dani: Ich würde ihm vor die Füße fallen. … Aber dieses Thema „unsichtbar sein“, das ist für viele wirklich echt ein Thema. … Also .. Katrin wollte gerne noch wissen, wo wir so unsere Bücher schreiben…
Karen: Ich kann auf jeden Fall nicht im Café schreiben oder so. Das lenkt mich zu doll ab. Ich kann am besten arbeiten morgens, wenn die Familie noch schläft. Oder wenn mein Mann und ich auf der Ostsee unterwegs sind mit unserem Boot, dann sitze ich auf meinem kleinen Sofa, habe meinen Laptop auf dem Schoß, muss dann aber auch mal sagen, pass mal auf, guck du mal dein Netflix, ich nicht, ich schreibe lieber. Es ist schon wichtig, dass man sich seine Schreibzeit festnagelt.
Dani: Für mich ist die Schreibzeit oft morgens – deshalb bin ich auch bei der Fortsetzung meines zweiten Buches darauf gekommen, dass es auf der Colorline spielt. Weil ich jeden Morgen zuhause sitze mit einem Kaffee und dann fährt die Colorline um 9 Uhr vorbei. Und in Malaga habe ich mir zum Glück jetzt auch so einen Raum geschaffen, wo ich dann in Ruhe schreiben kann.
… Katrin fragt noch nach Beziehungstipps …
Karen: Ich habe einen: Wer von dir geht, den hast du nicht verloren. Nee, der hat selber Schuld. Also das ist was, was ich auch meinen Söhnen sage.
Dani: Ja, also ich habe ja meine Tochter, die ist da knallhart. Also die rennt niemandem hinterher, aber das habe ich ihr auch ganz gut vermitteln können. Und ich habe gemerkt, wenn man sich klein macht, wenn man sich Sachen gefallen lässt, dann hat niemand Respekt vor dir. Und das Wichtigste, glaube ich, in einer Beziehung ist, dass man gegenseitigen Respekt hat. Und wenn er dich bescheißt, dann muss er halt gehen.
Karen: So Narzissten, die einen klein halten wollen, das wäre ein Thema für den nächsten Podcast. Bis dahin .. tschüssi.
Dani: Ciao.
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