„Theater verträgt keine halben Sachen“ – Operndirektorin Anja Kühnhold über Entscheidungen

18. November 2025
Kieler Operndirektorin Anja Kühnhold. (Foto: Pepe Lange)

Stimmen Werte und Entscheidungen überein?

Anja Kühnhold ist seit Oktober Operndirektorin an der Oper Kiel: „Wenn ich das eingrenzen müsste sind die Werte, die mich am stärksten leiten: Leidenschaft, Klarheit, Humor, Zuverlässigkeit, Zugewandtheit und Aufgeschlossenheit.“

Name: Anja Kühnhold Alter: 39
Beruf/Berufung: Musiktheaterregisseurin
Lebensmotto: Wundern statt Werten
Die größte Überraschung deines Lebens:
Es passieren jeden Tag so viele große und kleine Überraschungen, gute und manchmal auch weniger Gute, letztlich aber lassen alle einen irgendwie sein und werden wer man ist.

Dein bisheriger Lebensweg ist vielfältig. Wie triffst du deine Entscheidungen in deinem Leben? Und wie hast du die Entscheidung für Kiel getroffen?
Das ist ganz unterschiedlich und ganz oft auch nicht unbedingt nur vernunftbasiert – Pro und Contra-Listen helfen leider auch nicht immer. Es sind oft auch Bauchentscheidungen – etwas muss sich richtig anfühlen. Das hat es bei der Entscheidung für Kiel absolut. Das Kennenlernen des Teams und der Leitung war sehr angenehm, wir haben direkt über Inhalte gesprochen und das finde ich immer toll – wenn man das Gefühl hat, das Menschen hinter ihrem Theater stehen und viele Visionen für die Zukunft haben.

Auch als Operndirektorin musst du ständig wesentliche Entscheidungen treffen, von der strategischen Ausrichtung bis hin zur Personalführung. Hörst du auf deinen Bauch oder bist du jemand, der lange abwägt?
Das kommt sehr auf die Entscheidung an. Grundsätzlich treffe ich Entscheidungen gern gut informiert und lösungsorientiert. Mir ist es wichtig, immer wieder nach dem Antrieb und dem Gesamtbild, unter dem diese Entscheidung getroffen werden muss, zu schauen und mich im Team auszutauschen, bevor man richtungsweisende und wesentliche Entscheidungen fällt.

Welche drei größten Lebensentscheidungen haben dich bislang am stärksten geprägt, und warum?
Die Entscheidung Musiktheater zu machen – ich war 16 und hatte eigentlich ganz andere Pläne, dann kamen viele Zufälle zusammen, ich landete auf der Bühne und das hat viele Weichen gestellt und den Fokus verschoben auf das Theaterleben. Die Entscheidung für ein Jahr Berufserfahrung vor dem Studium. Ich wollte mir sicher sein, dass ich diesen Weg gehen möchte, weil Theater keine halben Sachen verträgt und eine Entscheidung für einen sehr besonderen Lebensweg ist. Die Entscheidung für den Schritt in die selbstständige Tätigkeit nach vielen Jahren am Theater Karlsruhe. Wir waren als Team sehr eng zusammengewachsen, sodass das vor allem emotional ein großer Schritt war, aber ohne diesen Schritt wären die Wege, die ich jetzt gehen darf, so nicht offen gewesen.

Welche Werte leiten dich und wie setzt du sie konkret um?
Wenn ich das eingrenzen müsste sind die Werte, die mich am stärksten leiten: Leidenschaft, Klarheit, Humor, Zuverlässigkeit, Zugewandtheit und Aufgeschlossenheit. Das ist aber nichts, was ich aktiv plane, sondern was eher über die Jahre gewachsen ist und immer im Hintergrund, wie ein Kompass bei allem fungiert. Wichtig ist mir gemeinsam im Team mitunter auch neue Wege zu gehen und immer wieder zu prüfen, ob die Entscheidungen und auch die Art der Entscheidungsfindung mit den Werten übereinstimmen.

Wie gehst du mit der Ungewissheit um, bevor du eine bedeutsame Entscheidung triffst?
Ich versuche abzuwägen, Pro- und Contra-Listen zu schreiben, tausche mich mit Kollegen oder Freunden und Familie aus (je nachdem in welchem Bereich die Entscheidung zu fällen ist). Das ist ein Prozess, der anstrengend, aber auch wichtig ist, der einen oft näher zu sich selbst bringt und hinterfragen und erkennen lässt, was einen antreibt, hemmt, was sich richtig anfühlt und was nicht. 

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