MannOHMann: EINFACH MACHEN! Philip Rothländer ist Geschäftsführer der „Merkur Ostseehalle“ in Kiel
,,Die Ostseehalle lebt schon immer von der familiären Art und Weise"
WITC: In welche Fußstapfen treten Sie?
Philip Rothländer: Ich trete in sehr, sehr große Fußstapfen, nämlich in die von Stefan Wolf, der 40 Jahre lang erfolgreich die Ostseehalle führte. Aber ich bin mir sicher, dass ich da langsam aber sicher hineinwachse, zumal ich immer noch auf die Expertise von Stefan Wolf zurückgreifen darf. Hinzu kommt, dass viele aus dem Team auch schon sehr lange Zeit dabei sind und alle Abläufe und Partner genau kennen. Das machte es mir natürlich extrem einfach.
Welche Strategien verfolgen Sie?
Die Ostseehalle lebt schon immer von der familiären Art und Weise, wie wir untereinander, aber auch mit den Veranstaltern umgehen. Es ist eine unkomplizierte und unbürokratische Art – das ist eine Strategie, die ich unbedingt beibehalten möchte. Wir wollen es den Veranstaltern so leicht wie möglich machen, in der Ostseehalle ihre Veranstaltungen durchzuführen, ihnen so wenig Steine wie möglich in den Weg legen und für alle Probleme immer schnelle Lösungen finden – auf dem kurzen Dienstweg sozusagen. Das fängt von der Einfahrt auf den Produktionshof an und geht über Themen wie z.B. Parkplätze und Reinigung bis hin zum Catering. Wir passen uns einfach an die Bedürfnisse der Veranstalter flexibel an. Dies ist in Hallen, die noch wesentlich größer sind, ganz anders und macht den Standort Kiel auch interessant für Veranstalter und Künstler.
Wie groß ist eigentlich der Anteil von eigenen
Veranstaltungen?
Es gibt eigentlich drei Varianten bei unseren Veranstaltungen. Das ist einmal die Komplettvermietung, hier wird unsere Arena nur gemietet und der Veranstalter macht quasi alles selbst. Dann gibt es noch das Modell der Kooperation, da unterstützen wir zum Beispiel bei Ton und Licht oder anderem, was gebraucht wird – so ist es bei sehr vielen Veranstaltungen. Und dann haben wir noch die eigenen Veranstaltungen in der Merkur Ostseehalle. Dieses Angebot ist aber überschaubar, da haben wir zwei oder drei im Jahr, wie wie die Polizei Show und Jump & Race.
Wo liegt aus Ihrer Sicht die Zukunft solcher
Veranstaltungsorte wie der Merkur Ostseehalle?
Ich glaube, wir müssen Orte schaffen, wo die Menschen raus aus ihrem Alltag kommen und mal wirklich für zwei, drei Stunden die ganzen bösen News, mit denen wir ja heutzutage täglich konfrontiert sind, vergessen können: einfach das Leben genießen mit Freunden und der Familie, tolle Erlebnisse erfahren. Und dabei muss einfach vieles harmonieren: Das beginnt beim Parken, über den Einlass, das Catering-Angebot, einem guten Sitzplatz, dem Entertainment in der Halle. Es ist schon wichtig, dass wir unseren Besuchern in der Halle auch abseits der Show etwas bieten. Die Konzerte und Shows von Sarah Connor, von Kraftklub oder von den Ehrlich Brothers sind die eine Seite, was wir als Drumherum den Gästen bieten, ist die andere. Und da müssen wir einfach liefern und müssen Momente generieren, die dem Gast dann so schnell nicht mehr aus dem Gedächtnis gehen.
Welche Impulse sind Ihnen persönlich wichtig
für die Zukunft?
Ein Besuch in der Merkur Ostseehalle sollte sich irgendwie jeder leisten können. Leider können wir die Ticketpreise an sich schwer beeinflussen, weil das bei den Veranstaltern liegt. Aber wir können gucken, wo wir selbst eventuell auch Einsparungen machen können, so dass wir für die Veranstalter die Kosten günstig halten und diese wiederum die Ticketpreise nicht erhöhen müssen.
Wir versuchen da gerade an allen Stellschrauben zu drehen. Und das ist eine große Herausforderung. Wir möchten alle Altersgruppen in die Arena bekommen, von jung bis alt. Denn wir wollen ein Veranstaltungsort für jeden sein. Und natürlich gehört es da auch zu unseren Aufgaben, entsprechende Veranstalter in die Halle zu holen.
Was macht Kiel als Veranstaltungsort besonders
attraktiv? Sie haben ja den Vergleich mit Hamburg, wo sie vorher gearbeitet haben.
Die Lage der Arena in Kiel ist phänomenal: mitten in der Stadt, zehn Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof entfernt, Hotels in der Nähe, alles ist mit dem Fahrrad gut angebunden, der öffentliche Nahverkehr ist super. Hinzu kommt, dass das Einzugsgebiet enorm ist – sozusagen alles nördlich von Hamburg, bis über die dänische Grenze hinaus. Bei den Handballspielen sind besonders viele Dänen bei uns vor Ort.
Was sind die größten Herausforderungen für
die Zukunft?
Erst einmal muss ich sagen, dass die Arena grundsätzlich richtig gut läuft. Man muss nicht viel ändern, aber mit der Zeit gehen, um attraktiv zu bleiben. Entertainment ist hier das Stichwort. Unsere Gäste sollen beim Besuch in eine andere kleine Welt eintauchen. Ich denke, dass uns da große Arenen in Hamburg oder Berlin um vielleicht zwei Jahre voraus sind. Da können wir noch ein bisschen was kopieren. Es geht dabei auch um digitale Werbeflächen in der Arena, die es den Besuchern zum Beispiel noch leichter machen, alles zu finden und Angebote wahrzunehmen.
Welchen Act würden Sie gerne mal in Kiel haben?
Das ist schwierig, mich festzulegen. Da muss man ja auch realistisch sein. Helene Fischer hätte ich ja gerne mal hier, aber ihre Show ist mittlerweile einfach zu groß für eine Halle wie unsere. Ich sag mal allgemein: junge deutsche Künstler, die neben der musikalischen auch eine tolle Show bieten.
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