Gefühle fühlen! Karen Schönemann berät und coacht Menschen in allen Lebenslagen
Raum für Entwicklung
„Sicherheit gehört zu unseren wichtigsten Grundbedürfnissen“
Karen Schönemann ist Diplom-Sozialpädagogin, Partnerschafts-, Familien- und Lebensberaterin und Psychologische Beraterin. In ihrer Praxis in Kiel Projensdorf berät und coacht sie Menschen zu verschiedenen Themen.
Name: Karen Schönemann
Alter: 55 Jahre
Beruf/Berufung: Lebens-, Ehe-, Partnerschafts-
und Familienberaterin, Kursleiterin und Coach
Familie: Ehemann, 1 Sohn, 2 Bonus-Töchter,
meine Eltern
Lebensmotto: Gefühle fühlen hilft
Der Sinn des Lebens … glücklich sein und den Weg dorthin finden
Lieblingsorte: Wald, der Strand zwischen Strande und Schilksee,
Winterfreuden: unseren Holzofen anzünden,
ein klarer Sternenhimmel, Schneewandern im Tannheimer Tal
Im Winter müssen wir besonders auf uns Acht geben. Was macht unsere Seele stark?
In der dunklen Jahreszeit fehlt uns die Sonne mit ihrer Energie und wir brauchen viel Eigeninitiative um die Stimmung hoch zu halten. Das können wir aktiv in die Hand nehmen, indem wir besonders auf unsere Energiequellen achten. Im Grunde sind es vier Lebensbereiche, die du dir vor Augen führen kannst:
Selbstfürsorge ist der Bereich, wo es darum geht, zu schauen, was dir gut tut: Im Alltag bewusst Dinge genießen, wie den Kaffee am Morgen oder das leckere Abendessen, das du zubereitet hast; dir Zeit nehmen um kreativen Hobbies nachgehen oder Sport machen.
Ausreichend gute soziale Kontakte pflegen, ist der nächste Bereich. Dabei geht es darum, gute Kontakte zu pflegen zu Menschen, Gruppen oder auch Tieren, die uns gut tun und die unser Herz erfreuen.
Sich selbstwirksam wahrzunehmen ist ebenfalls wichtig. Die bekannte selbsterfüllende Prophezeiung, in der wir einfach davon ausgehen, es wäre selbstverständlich, dass uns etwas misslingt, kann auch positiv gedacht werden: Ich habe mich für diese Prüfung richtig gut vorbereitet, daher ist es doch klar, dass ich so erfolgreich bestanden habe. Dir zu vergegenwärtigen, was du alles leistest, löst Dankbarkeit und Wertschätzung für dich selbst aus.
Im vierten Bereich geht es um deine Werte: Es ist wichtig für uns, dass unsere Werte im Alltag Platz finden. Eine unerfüllte Arbeit beispielsweise kann auf Dauer krank machen, während eine erfüllende dich stärkt.
Egal in welcher Krise wir uns befinden – Wie können wir unsere Stärken stärken?
In einer Krise oder einer Überforderung geht es um die Frage: Was ist jetzt wichtig? Du solltest deine Stärken jetzt nutzen und nicht versuchen, Schwächen auszugleichen. Doch wie findest du heraus, welche Stärken du hast? Frage dich zuerst einmal, was du gut kannst und was du gerne machst. Danach kannst du dich fragen, was andere an dir schätzen oder wo du positive Resonanz bekommst. Und letztlich kannst du direkt Freunde und Freundinnen fragen. Oft fällt es uns leicht, für andere da zu sein, aber uns selbst stellen wir hinten an. Um dich in einer Krise zu stärken, erlaube dir, mit deinen Bedürfnissen an erster Stelle zu stehen. Setze Prioritäten und fokussiere dich!
Das Sicherheitsgefühl ist vielen Menschen sowohl persönlich als auch zum Beispiel aufgrund der instabilen politischen Verhältnisse oder auch der Klimakrise verloren gegangen. Wie können wir damit umgehen?
Sicherheit gehört zu unseren wichtigsten Grundbedürfnissen. Unser ganzes inneres System ist darauf ausgerichtet, für Sicherheit zu sorgen. Ist sie gefährdet, erleben wir Stress. Da wir Menschen Bindungswesen sind, werden wir von positiven Beziehungen genährt. Starke Unsicherheiten entstehen dann, wenn wir den Eindruck bekommen, wenig Einfluss nehmen zu können oder einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein. Nachrichten sind überwiegend negativ, wodurch unsere Aufmerksamkeit geweckt wird. Wir können jedoch selbst dosieren, wieviel wir uns davon zumuten.
Was ist dir besonders wichtig als Lebensberaterin? Welche Strategie verfolgst du bei deiner Beratung?
Ich biete Menschen einen Raum für ihre Entwicklung, in dem sie mit all ihren Sorgen und Wünschen im Mittelpunkt stehen und sich selbst wichtig nehmen dürfen. Wer in die Beratung kommt, wünscht sich ja eine Verbesserung im Leben, sei es in Bezug auf Beziehung, Arbeit, Kinder oder sich selbst.
Das bedeutet auch, dass eine Veränderung eintreten soll. Veränderungen können wiederum verunsichernd sein kann. Beispielsweise möchte eine Frau, dass sich die Kommunikation in der Partnerschaft verbessern soll. Wenn sie nun etwas verändert, kann es durchaus eine starke Irritation beim Mann auslösen und sie bekommt Angst, dass er sich ganz von ihr abwendet. Für solche Prozesse biete ich einen geschützten Raum, in dem Menschen die Möglichkeit haben, sich zu zeigen und ihre Schritte zu gehen. Hier können sie ihre eigenen Werte entdecken und herausfinden, wie sie ihnen folgen können.
In deinen Seminaren „Bewusstes Fühlen – Besser fühlen“ geht es einerseits darum, Gefühle zuzulassen, aber auch zu entdecken, dass wir mehr als unsere Gefühle sind. Wie funktioniert das genau?
Wir haben gelernt, unsere Gefühle zu unterdrücken, wie beispielsweise Angst, Wut, Trauer oder Verzweiflung. Das war während unseres Heranwachsens wichtig und hatte gute Gründe, stellt uns aber heute vor Herausforderungen.
Aktuelle Probleme haben immer ein unangenehmes Gefühl und wir wissen dann nicht, wie wir damit umgehen sollen. Unsere Gefühle verunsichern uns.
Gefühle zu fühlen ist etwas Natürliches, aber wir haben es meist nicht gelernt oder können uns nicht vorstellen, dass es hilft. Dabei haben Gefühle einen Anfang und ein Ende. Das wissen wir eigentlich, denn in diesem Moment, wo du das hier liest, hast du ein anderes Gefühl, als vielleicht noch heute morgen. Dennoch befürchten wir, wenn wir ein negatives Gefühl zulassen, kommen wir nicht wieder raus oder es hört nie auf. Das stimmt nicht.
Beim bewussten Fühlen legst du deine volle Aufmerksamkeit auf das Gefühl, das in diesem Moment da ist. Du lässt es sich ausbreiten und groß werden. Und dann beginnt von allein der Prozess des Fühlens. Dabei wird sich das Gefühl bewegen, verändern und lösen. Du reagierst nicht auf das Gefühl, zum Beispiel durch Gedanken, die du dir dazu machst, und du agierst es auch nicht aus, wie zum Beispiel bei Wut laut schreien. Du fühlst es einfach nur. Danach kommen vielleicht noch weitere, mit denen du ebenso verfährst, bis du, und das ist sicher, eine Verbesserung, Erleichterung oder Erhellung erlebst. Dann bist du durch. Das Problem sieht danach ganz anders aus.
Gelernt habe ich das bewusste Fühlen als Joining, wo du dich mit jemand gegenüber sitzend mit Augenkontakt verbindest und beide wortlos ihre eigenen Gefühle fühlen. In dieser Verbundenheit ist es kraftvoll und leicht Gefühle zuzulassen, da wir nicht allein sind und uns sicher gehalten fühlen können.
In meinem Seminar lernst du beide Methoden behutsam und für den Hausgebrauch kennen.
Was ist dein persönlicher Weg zur Resilienz?
Auch wenn ich „vom Fach“ bin, erlebe ich natürlich genauso Stress und Herausforderungen im Alltag wie andere auch. Um beruflich resilient zu bleiben, mache ich das, was ich auch anbiete: Ich besuche Fortbildungen, die mich unterstützen und weiter bringen. Das bewusste Fühlen praktiziere ich regelmäßig. Es ist für mich Psychohygiene und selbstklärend zugleich. Privat liebe ich meinen Garten, gehe schwimmen, pflege meine Freundschaften und erfreue mich an meiner Familie.
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