Bleib Dir selber treu – egal, wo Du gerade stehst! Interview mit Kristina Herbst, Landtagspräsidentin SH

5. Juli 2022
Kristina Herbst ist seit Juni 2022 neue Landtagspräsidentin in Schleswig-Holstein. Foto: Holger Stöhrmann

Im Gespräch: Kristina Herbst, Landtagspräsidentin in Schleswig-Holstein

Seit 16 Jahren ist Kristina Herbst im Landeshaus in Kiel in verschieden Ministerien unterwegs. Die Diplom-Kauffrau und CDU-Politikerin gilt als enge Vertraute von Daniel Günther. Wir haben mit ihr über ihren neuen Job als Landtagspräsidentin und ihren Alltag gesprochen.

Name Kristina Herbst (44)
Beruf Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages
Familie 3 Kinder
Hobbys Cyclocross-Bike fahren, Reiten
Lieblingsplätze am Meer
Lebensmotto Das Leben ist Veränderung
Stadt oder Land Stadt
Das beste zuletzt gelesene Buch Die Geschichte der Bienen
Tee oder Kaffee Kaffee

WITC: Wie werden Sie wahrscheinlich auf den 7. Juni 2022, den Tag Ihrer Wahl zur Landtagspräsidentin, in 20 Jahren zurückblicken und mit welchen Emotionen verbinden Sie diesen Tag?

Kristina Herbst: In 20 Jahren werde ich vielleicht am 7. Juni irgendwo am Strand sitzen, auf’s Meer hinausschauen und sagen: Wahnsinn – das war wirklich ein beeindruckender Tag mit Gänsehaut, Magengrummeln vor Aufregung und ganz viel Stolz und Freude. Vor allem auch darüber, dass meine Eltern, meine Kinder und mein Partner mich an diesem besonderen Tag begleitet haben.

Frischer Wind und mehr Transparenz – Worte, die bereits in Bezug auf Ihren neuen Job gefallen sind. Was erwarten Sie selbst von sich, um dem Job der Landtagspräsidentin nicht nur gerecht zu werden, sondern vielleicht darüber hinaus ihn stärker auszugestalten – mit Ihrer Persönlichkeit?

Kristina Herbst: Entscheidend für jede neue Herausforderung ist: Bleibe Dir selber treu. Durch meine unterschiedlichen beruflichen wie persönlichen Erfahrungen werde ich dem Amt meine ganz eigene Note geben. So habe ich es als Staatssekretärin gemacht oder auch davor beruflich außerhalb der Politik. Alles, was ich tue, möchte ich mit einer Begeisterung machen, die ansteckt, die Lust macht, sich gemeinsam den Herausforderungen zu stellen, Dinge zu bewegen und Neues anzupacken.

Die Frage, die man leider nur Frauen stellt: Worin sehen Sie persönlich die Herausforderung zwischen Job und Familie – vor allem mit Blick auf die neue Arbeit?

Kristina Herbst: Ein erster Schritt wäre, dass diese Frage sowohl den Müttern als auch den Vätern gestellt wird. Noch schöner wäre es allerdings, wenn diese Frage insgesamt überflüssig werden würde, weil die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erfüllt sind und es selbstverständlich ist, beides vereinbaren zu können – sofern man das möchte.
Aus meiner persönlichen Sicht gehört als vollzeitberufstätige Mutter immer die Selbsterkenntnis dazu, dass es alleine nicht geht. Natürlich braucht man Hilfe. Und die habe ich glücklicherweise. Und es gehört Realismus dazu: Ohne Kompromisse geht es nicht. Es wird sicher mal einen Termin in meinem Amt geben, den ich nicht wahrnehmen kann, gleiches gilt für den privaten Bereich. Die Kunst wird es sein, das ausgewogen hinzubekommen – für sich selbst, für den Job und die Familie.

Sie fahren gerne Rennrad – was verbindet Rennradfahren und Politik?

Kristina Herbst: Zunächst möchte ich festhalten, dass ich bei diesem Sport noch neu und frisch dabei bin und er gerade in den letzten Monaten etwas zu kurz gekommen ist. Und in der genauen Definition ist es auch nicht das klassische Rennrad – ich fahre ein Cyclocross-Bike. Das hat den Vorteil, dass ich damit auch durch den Wald und ins Gelände fahren kann. Vielleicht ist da eine Verbindung zu Politik: Auch da läuft ja nicht immer alles nur auf glatter Fahrbahn, sondern es gibt hier und da mal unebenes Gelände. Und je nach Thema kann man Vollgas geben oder Ausdauer beweisen. Die Abwechslung macht es spannend.

Das Titelthema unserer Ausgabe ist „Respekt“. Was bedeutet Ihnen dieses Wort bzw. was verbinden Sie damit?

Kristina Herbst: Respekt ist für mich Grundvoraussetzung im Umgang miteinander und unserer gesamten Umwelt – das ist durchaus in doppeltem Sinne gemeint. Ohne Respekt fällt eine Gesellschaft auseinander, er muss die Grundlage unseres Zusammenlebens sein. Die Menschen in Schleswig-Holstein empfinde ich als sehr respektvoll. Das hat sich beispielsweise in dem solidarischen Verhalten während der Corona-Pandemie geäußert. Es zeigt sich aber auch tagtäglich, wenn ich an den Umgang bei uns im Norden mit den Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland, mit der friesischen Minderheit und den Sinti und Roma denke. Ich bin daher sehr stolz, Landtagspräsidentin in Schleswig-Holstein zu sein.

Nimmt die Politik und unsere Gesellschaft aus Ihrer Sicht die junge Generation genug in den Blick oder vernachlässigen wir unsere Zukunft und deren Bedürfnisse?

Kristina Herbst: Ich habe schon den Eindruck, dass die Politik in den vergangenen Jahren ein bisschen darauf gestoßen werden musste, die Sicht der jungen Generation mehr in den Fokus zu rücken. Das gelingt aber in meinen Augen immer besser. Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat sich mit der neuen Wahlperiode auch wirklich stark verjüngt. Ich freue mich, dass wir so viele junge Abgeordnete im Parlament haben, die ganz sicher auch daran mitwirken werden, den jungen Menschen im Land eine starke Stimme geben.

Wie gehen Sie mit der Flut von täglichen News um und sortieren sich, um den Überblick über die Welt zu behalten und nicht davon erschlagen zu werden?

Kristina Herbst: Diese Frage betrifft uns ja alle und ich glaube, die tagtägliche Informationsflut ist durchaus ein Problem. Ich habe für mich festgestellt, dass die Qualität der Nachrichten und Medien, die man konsumiert, ausschlaggebend ist, nicht die Quantität. Aber mein Amt ist natürlich sehr zeitintensiv und lässt an manchen Tagen gar nicht zu, mich ausgiebig den Nachrichten zu widmen. Dank der Gemeinschaftsleistung meines Teams bin ich aber immer über alles Wichtige informiert.

Wenn Sie wirklich nur einen Wunsch frei hätten, jetzt und heute – welchen würden Sie sich erfüllen lassen?

Kristina Herbst: Ein Tag am Meer bei Sonne und Wind.

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