Tiere sind rigoros ehrlich!

5. Mai 2020
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Tierfotografin Linda Pfeiffer im Interview

"Ich möchte meine Models perfekt in Szene setzen."

Wie bist Du darauf gekommen Tier-Fotografin zu werden und ist das eigentlich Dein Hauptjob?

LINDA PFEIFFER: Eins war schon früh klar: Linda macht mal was mit Tieren. Ich wollte Tierärztin werden, habe aber während des Studiums gemerkt, dass das doch nicht mein Weg ist. Während ich dann PR und Kommunikationswissenschaft studiert habe (also so gar nichts mit Tieren), hat sich die Tierfotografie vom Hobby zu einem Job entwickelt, von dem ich heute lebe.

Welche Tiere fotografierst Du am liebsten?

LINDA PFEIFFER: Obwohl ich auch schon Pferde, Hühner, Echsen und öfter auch Katzen vor der Kamera hatte, liegt mein Schwerpunkt auf der Hundefotografie. Mir ist wichtig, meine Models lesen zu können, um sie perfekt in Szene zu setzen. Da ich mich schon mein Leben lang total gerne mit Hunden und ihrem Verhalten beschäftige, gelingt mir das mit Hunden am besten.

Was bedeutet so ein Tier-Fotoshooting für Dich, wie lange dauert es und wie läuft es ab?

LINDA PFEIFFER: Jedes Shooting ist anders und das macht die Arbeit für mich so spannend. Natürlich habe ich immer einen groben Plan im Kopf, aber was wir während des Shootings dann tatsächlich umsetzen und ob ein Shooting eher eine oder drei Stunden dauert, entscheidet letztendlich das Tier.

Katzen-Shootings finden beim Tierhalter zu Hause statt. Oft sitzen wir erst einmal eine ganze Weile zusammen, damit die Katzen sich an mich gewöhnen und Vertrauen fassen. Ich beobachte die Katzen gern durch die Kamera – so entstehen natürliche Aufnahmen, die die verschiedenen Charaktere der Tiere zeigen.

Shootings mit Hunden laufen meist wie ein gemeinsamer Spaziergang ab, bei dem wir an verschiedenen Stellen Pausen einlegen, um dort Fotos zu machen. Da ich ohne Zwang arbeite und größten Wert auf das Wohlbefinden meiner Models lege, laufen alle Shootings immer unter der Devise „Alles kann, nichts muss“ ab.

Gibt es auch unter den Tieren solche, die sich einfach gerne fotografieren lassen?

LINDA PFEIFFER: Oft warnen mich Tierhalter vor dem Shooting, wie kamerascheu ihr Tier doch sei und dass es ein Ding der Unmöglichkeit sei, schöne Fotos vom Tier zu machen. Das ist ganz normal – woher sollen die Tiere denn auch wissen, dass sie in dieses Gerät schauen sollen, mit dem ihre Menschen sie da verfolgen?

Über diese Models freue ich mich immer besonders, weil ich es liebe, wie stolz die Tierhalter hinterher auf die Bilder sind. Ich habe natürlich so meine Tricks, wie ich auch aus unkooperativen Models das Beste heraushole.

Es gibt aber auch Tiere, die mir das Leben wirklich leicht machen und sich zentimetergenau platzieren lassen, weil sie sehr gern mit ihren Menschen kooperieren, viele Tricks beherrschen oder von sich aus einfach viel anbieten.

Was waren Deine drei schönsten Shootings?

LINDA PFEIFFER: Gemessen am emotionalen Wert gehören definitiv meine Regenbogenshootings dazu. Das sind Shootings mit Tieren, die kurz vor ihrem Lebensende stehen. Diese Treffen sind zugleich wunderschön und endlos traurig – die Tierhalter und ich lachen und weinen miteinander. Oft scheinen die Tiere zu spüren, welche Bedeutung dieser Ausflug für ihre Halter hat und blühen nochmal so richtig auf, während ich mit der Kamera einige schöne Erinnerungen festhalte.

Einen persönlichen Fototraum habe ich mir mit einem Shooting in der Altstadt von Hannover mit meinen eigenen drei Hunden erfüllt. Meine älteste Hündin Ronja ist zunehmend blind, taub und dement, was es schwierig macht, sie zu fotografieren. Jedes gelungene Bild von ihr ist somit besonders wertvoll für mich.

Ein weiteres Highlight war ein Abend mit meinen beiden größeren Hunden Tyco und Reina. Nur wir drei, ein einsamer Strand und im Hintergrund der Sonnenuntergang. Die Umstände haben es möglich gemacht, dass auch Tyco, der sonst immer an der Leine bleiben muss, mit Reina über den Strand rennen konnte. Die Fotos haben nicht die beste Qualität, gehören für mich aber zu den wichtigsten Fotos, die ich bisher gemacht habe.

Wie müssen Frauchen und Herrchen mitmachen beim Shooting?

LINDA PFEIFFER: Ich liege zum Fotografieren meist flach am Boden und dirigiere die Halter von dort aus, wie sie ihre Tiere ideal in Position bringen. Oft können sich die Halter nicht weit vom Tier entfernen, ohne dass es hinterherkommen würde. Dann macht sich eine dritte Person bezahlt, die hinter der Kamera dafür sorgt, dass das Tier in die gewünschte Richtung blickt. Außerdem ist es immer schön, jemanden dabei zu haben, der beim Tragen von Equipment, Decke, Leinen, Leckerchen und Co. behilflich ist 😉

Was bedeutet es denn für Dich persönlich mit Tieren zu leben?

LINDA PFEIFFER: Tiere sind so rigoros ehrlich. Sie spiegeln dich und zwingen dich dadurch oft, eigene Verhaltensweisen zu reflektieren. Was ich definitiv meinen Tieren zu verdanken habe, ist meine endlose Geduld, die mir auch bei meinen Shootings immer wieder enorm hilft.

Suchst Du für jedes Tier eine besondere Location aus?

LINDA PFEIFFER: Die Locations wähle ich gemeinsam mit meinen Kunden aus. Am wichtigsten ist mir, dass mit dem Tier ein entspanntes und sicheres Arbeiten vor Ort möglich ist. Mein Rüde Tyco ist das beste Beispiel dafür, was die Wahl der Location ausmacht: während ich an urbanen Orten völlig entspannt und ohne Helfer mit ihm shooten kann, ist er dank seines Jagdtriebs in wildreichen Gebieten wie „angeknipst“, was ein konzentriertes und sicheres Arbeiten mit ihm viel schwieriger macht.

Du lebst in Kiel, aber auch in Hannover – was verbindet Dich mit beiden Städten und was hat die eine Stadt, was die andere nicht hat?

LINDA PFEIFFER: Hannover ist meine Heimat – ich bin dort aufgewachsen und wollte eigentlich auch nie weg. Nun ist seit über fünf Jahren Kiel mein Zuhause – eher unfreiwillig kam ich her, bin heute aber unglaublich froh, hier gelandet zu sein. Ich genieße das Leben am Meer, bin aber auch gerne daheim in Hannover bei meiner Familie.

Was bedeutet für Dich, Verantwortung zu übernehmen?

LINDA PFEIFFER: Ich lebe seit über zehn Jahren vegan und bin überzeugt, dass jeder von uns mit einer bewussten, ethisch vertretbaren Lebensweise nicht nur sich selbst, sondern auch dem Planeten und den Generationen nach uns einen großen Gefallen tun kann.

STECKBRIEF: 

Name: Linda Pfeiffer
Beruf/Berufung: Irgendwas mit Tieren 😉
Lebensmotto: Nur der Unwissende wird Böse, der Weise versteht.
Hobbys: Mit meinen Hunden (mit oder ohne Kamera) durch die Natur streifen und neue Fotospots entdecken; als Kontrastprogramm bin ich gerne auf Rockkonzerten.

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