Ode an die Langeweile

11. Juni 2020
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Langeweile kann man lernen und genießen. Hunde wissen, wie das geht. (Foto: adobe stock)

Langeweile: innerer Kompass und kreativer Motor

Wonach sehnen sich beispielsweise die Eltern Zwei- oder Dreijähriger, deren Alltag aus Gefahrenprävention, Hilfestellung, Nahrungsauf- und -entnahme besteht und die in der Regel nicht einmal einen Kaffee im Sitzen trinken können, wenn es blöd läuft? Was wünschen sich all die Tausendsassas (österreichisch: Wunderwuzzis), die sich wie Tarzan an der Liane von Job zu Haushalt zu Familienversorgung und wieder zurück schwingen? Genau: Sie sehnen sich nach Langeweile. Nur mal kurz zwischendurch – das wäre schön.

Zugegeben, in Zeiten von #StayHome und #SocialDistancing hat mancher von uns mit einem Schlag zu viel davon bekommen. Dennoch sollten wir sie uns bewahren! Denn: Langeweile hat auch ihre gute Seiten.

Langeweile: innerer Kompass und kreativer Motor?

In einem Zustand der Unterforderung orientiert man sich zum einen gedanklich neu. Zum anderen sorgt Langeweile für hilfreiche Erholungsphasen im Gehirn. Eine Etappe auf dem Weg zum Burn-out ist nach Einschätzung der Experten jene, in der man verlernt, wie man nichts tut.
Während der Corona-Krise bietet sich nun auch die Gelegenheit, das innere Fernglas auf die Welt, in der ich lebe, und die Nebenwirkungen unserer schnelllebigen Gesellschaft zu richten. Langeweile sei Dank sieht man klarer, denkt sortierter und wirft einfach eine Kuscheldecke über Stress und Unruhe.
Schweifen die Gedanken ab, werden im Gehirn zeitgleich vier Areale aktiv, die verschiedenen Anteile des Denken und Fühlens einbeziehen und sich sonst nur selten vernetzen und zusammenarbeiten.
Bewusste Auszeiten bilden einen Nährboden für Besinnung und Kreativität. Wer sich langweilt, ist nämlich nicht automatisch untätig. Denn im vermeintlichen Nichtstun sprießen oft die tollsten Ideen – durch Tagträumen und Spazierendenken.

Wie die meisten Dingen sollte man allerdings auch die Langeweile in Maßen genießen. Wird dies nämlich zum Dauerzustand, weicht die Kreativität ungesunden Gewohnheiten. Chronisch gelangweilt greift man zum Beispiel viel häufiger in die Naschi-Schublade.

Was wir uns von der Langeweile erhalten sollten

Zunächst müssten wir Langeweile neu definieren. Und hier sind alle Familienmitglieder gefragt. So hat das Prinzip Freizeit-Highlight durch die Pandemie in vielen Köpfen eine Art Downgrade erfahren: Den Stellenwert von Zoo, Spaßbad oder Indoor-Action hatten zwei, drei Generationen vorher Mikado spielen, Fahrradtouren und Brombeerenpflücken. Was sich in der Vergangenheit verschoben hatte zu „och nö, das ist langweilig“ können wir in der Zukunft wieder ein bisschen zurechtrücken – statt jeden Tag Programm, sind wir jetzt wieder ein bisschen mehr selbst das Programm!

Wie gönne ich mir künftig meine gesunde Tagesdosis Langeweile?

Marschieren wir einfach los Richtung Wasser oder Wald, die schönsten Straßen oder Einkaufsmeilen entlang, setzten uns hin und genießen, lassen Augen und Gedanken schweifen. Ohne zum Smartphone zu greifen! Je einfacher, sich unterhalten und ablenken zu lassen, desto kürzer ist die Zündschnur des Innehaltens geworden, an deren Ende das vermeintlich Bedrohliche lauert: die Langeweile. Dabei geht es! Ich kann zehn Minuten auf den Bus warten, ohne ein nächstes Level freizuschalten. Ich kann beim Bäcker auf meine Freundin warten, ohne Mails zu checken. Digital Detox hat heilende Wirkung. Und das Brötchen schmeckt dabei auch viel besser.

Ein Hoch auf die Kunst der Langeweile! Sie ist ein Privileg! Denn der Übergang zum genussvollen Müßiggang – zur einsamen Insel in der Brandung des Alltags – ist fließend. Mindestens ein Wochentag sollte künftig ohne Nachmittagsprogramm auskommen. Ein Obermaat würde vielleicht das Kommando „zbV“ geben (Zeit zur besonderen Verfügung). Oder wir lassen es Loriot auf den Punkt bringen: „Ich möchte einfach nur hier sitzen…“.

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