Die Kunst, mit dem Hund zu spielen

10. September 2020
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Richtig spielen mit unserem Hund will gelernt sein. Dazu müssen wir unseren Vierbeiner verstehen können ... (adobe stock)

"Bällchen werfen" ist kein Spiel!

Gemeinsames Spielen ist eines der kurzweiligsten Zeitvertreibe, die unsere Welt zu bieten hat: Eltern spielen mit ihren Kindern, Kinder toben und spielen miteinander, Jugendliche begeben sich in virtuelle Spielwelten und Senioren spielen eine Runde Karten mit einander. Und natürlich spielen wir mit unseren Hunden, die hochsozialen Caniden lieben es mit uns herum zu albern. Aber nicht jedes „Spiel“ ist wirklich Spiel und manche Spiele sind sinnvoller als andere.

Zunächst bemühen wir den Duden und suchen nach einer Definition: Danach bedeutet „Spielen“, dass wir uns zum Vergnügen, Zeitvertreib und allein aus Freude mit etwas beschäftigen. Zum Sozialen Spiel gehört die gemeinsame Komponente, dass wir uns miteinander beschäftigen, alle Parteien Freude an der Aktion haben und hinterher ein gutes Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit entstanden ist.
Schon hier kommt ein Hundebesitzer ins Überlegen – richtig, „Bällchen werfen“ hat mit echtem Spiel wenig bis gar nichts zu tun.

BALL-SPIELE mit dem Hund

Wenn Max zum 25. Mal dem mit dem Wurfarm geschleuderten Ball hinterher flitzt, hat er sein Frauchen lange vergessen. Er befindet sich in einem Jagd- und Hetzrausch, sein Gehirn ist wie auf Drogen und verlangt wieder und wieder nach dem Kick, das begehrte Objekt jagen zu dürfen. Max ist eine arme Kreatur, wenn er mit Bällchen werfen „ausgelastet“ wird, seine Knochen werden einseitig kaputt gemacht und psychisch ist er ein Junkie, der nur schematisch Bewegungsreize verfolgt.

INTELLIGENZ-SPIELE

Sogenannte „Intelligenz“-Spiele sind auch wenig sozial – während Pina knobelt und ausprobiert, sind wir Menschen nur stille Beobachter, die unbeteiligt bleiben. Diese Spiele sind so lange interessant, bis hund die Lösung heraus gefunden hat, danach sind sie langweilig.
Und eine wichtige Komponente des Spielens ist ja, dass es immer wieder lustig ist und gerne wieder und wieder wiederholt wird.

KEINE IDEE FÜR NEUE SPIELE?

Wenn ich die Leute frage, wie sie mit ihren Hunden spielen, dann kommen oft leicht resignierte Aussagen wie „ach, der spielt nicht“ oder „ der rennt mit seinem Spielzeug immer weg“. Saft- und kraftlos fuchteln die Leute mit dem Spielzeug vor Bobbys Nase herum, woraufhin dieser eher verwirrt oder gar leicht meidend reagiert.

IM SPIEL IST FAST ALLES ERLAUBT …

Erwachsene Menschen haben oft vergessen, wie man ein Spiel entwickelt, dass man ruhig albern und kicherig sein darf, dass man sich auch mal zum Narren machen darf: im Spiel ist alles erlaubt, was dem anderen nicht weh tut und was Spaß macht. Ein Spielzeug, dass ich meinem Hund schmackhaft machen will, hüpft von mir gehalten ruckartig auf dem Boden herum, vielleicht mache ich dabei lustige kleine Geräusche. Wenn Frieda, die vielleicht aus dem Süden kommt und noch nie in ihrem Leben gespielt hat, erstmal nicht reagiert, gebe ich nicht sofort seufzend und tief enttäuscht auf, sondern probiere es morgen und übermorgen und in vier Wochen wieder aus, bis Frieda über ihren Schatten springt und vorsichtig nach dem merkwürdigen Spielzeug greift.
Oft endet das Spiel zwischen Mensch und Hund gleich im Ansatz wieder, da der freche Fridolin sich im Ton vergreift und aus der Spielrage heraus in die Hand schnappt oder ein Loch im Pullover hinterlässt. Da sind wir wieder beim Duden, der uns erklärt, dass Spielen die Entwicklung motorischer Fertigkeiten, sowie die soziale Kompetenz schult. Hund und Mensch müssen dies üben und trainieren und über viel Rückmeldung erlernen, was dem anderen gefällt und was nicht.

VON HUNDEN LERNEN

Der moderne Mensch fürchtet sich ganz schrecklich vor Reglementierung, schon ein „Nein“ ist in manchen Erziehungskreisen verpönt und stattdessen wird alles vermieden und sofort unterbrochen, was doch so viel Spaß machen könnte.
Ich beobachte die Hunde meines Rudels, wenn sie mit einem Welpen spielen: Der Kleine darf vieles, verbeißt sich in Rute und Ohren der Älteren, die sich souverän auf den Rücken legen und sich durchknabbern lassen. Aber wenn der Zwerg seine 5 Minuten bekommt und die erwachsenen Hunde unabgesprochen rempelt oder fies in die Nase zwickt, dann wird nicht vernünftig darüber diskutiert und der Althund geht auch nicht ignorierend in ein anders Zimmer, sondern es gibt eine scharfe und sehr konkrete Ansage: „Das machst Du nicht noch einmal!“
Und der Welpe, der ob der Maßregelung quiekend aufschreit und vielleicht sogar kurz flieht? Kommt sofort wieder an, versöhnt sich devot und wird entspannt in ein neues Spiel integriert.

Natürlich sind wir Menschen keine Hundemütter! Aber wenn ich körpersprachlich beobachte, wie ein Welpe reagiert, den z.B. über den richtig! angewandten Schnauzengriff maßregele, dann erziele ich genau den Effekt, den ich haben möchte: Der Welpe kommt sofort wieder auf mich zu, „entschuldigt“ sich für sein Verhalten und schon sind wir wieder versöhnt und können weiter spielen.
Und wenn das nicht klappt: dann haben wir als Menschen immer noch die Möglichkeit den renitenten Rauhbauz kurzfristig auf den Flur oder die Terrasse zu setzen – wer sich nicht beherrschen kann, fliegt raus. Aber bitte nur 2 Minuten, denn längere Isolation bedeutet für unseren Welpen die psychische Höchststrafe.

SPIELVERLAUF GESTALTEN!

Bin ich ein geübter Spieler kann ich den Spielverlauf gestalten: ich kann zum Beispiel das Tempo und die Stimmung hochfahren, gebe mich wild und rasant. Aber wenn ich merke, dass die Stimmung kippt, die Augen meines vierbeinigen Kumpels anfangen zu blitzen und das Spielknurren eine scharfen Unterton bekommt, atme ich tief und bewusst aus, lasse in meiner Spannung nach und entspanne uns beide damit, bis vielleicht ein gemeinsames Kuscheln die ganze Aktion beendet. Erwachsene Hunde stehen in so einem Moment auf, schütteln sich einmal und gehen ein bisschen schnüffeln – das macht ja ihre Souveränität aus, dass sie jederzeit ein Spiel kontrollieren können – in dem sie Grenzen setzen können, aber auch in dem sie Situationen einschätzen und gestalten.
Viel Spaß beim Spielen, nur nicht die Spielregeln vergessen!

Hundeerziehung. Ein Tipp von:

Daniela Terboven Hundeschule | Knüll 19 | 24256 Fargau | Tel. 0 43 03-92 96 80 |
www.hundesport-und-tanz.de

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