Eine gute Investition: Zeit für Bindungen

15. Februar 2021
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Eine gute Bindung zwischen Mensch und Hund braucht Geduld und Fürsorge. Genau wie unter Menschen.

Eine Bindung ist mehr als eine Beziehung!

„Ich glaube, mein Hund hat gar keine Bindung zu mir.“ Diese frustrierte Aussage hört man immer wieder, vorzugsweise, wenn sich der unselige Vierbeiner mal wieder vom Acker macht, einem Reh hinterher jagt, sich mit anderen Rabauken rauft oder sich nicht vom Spielkumpel abrufen lässt. Aber was bedeutet das eigentlich, was ist diese geheimnisvolle Bindung, die jeder zu seinem Hund haben will?

Bindung ist mehr als Beziehung, denn Beziehungen hat mein Hund viele: zu seinen Hundekumpels am Strand, zur Nachbarin Frau Müller, die ihm jeden Tag ein Leckerchen zusteckt, zur Hauskatze, die ihm um die Beine streicht. Beziehungen bestehen zwischen Individuen, die miteinander in Kontakt treten, sie können gut oder schlecht und manchmal beides sein.

Eine Bindung entwickelt ein Hund nur zu SEINEN Menschen. Sie bedeutet Verlässlichkeit, Fürsorge, Schutz und Zuwendung. Der Bindungspartner ist zuverlässig vorhanden und ist in seinen Aktionen kalkulierbar.
Wenn Hunde bei einer Partnerbörse attraktive Eigenschaften ihres gewünschten menschlichen Bindungspartners eingeben könnten, würden Reichtum und gesunde Ernährung eher ganz unten auf der Liste rangieren. Stattdessen würden sie sich für Menschen interessieren, die souverän und sicher das Leben meistern, in schwierigen Situationen immer eine Lösung parat haben und einen ausgemachten Sinn für Spaß und tolle Ideen für gemeinsame Aktivitäten hätten.
Hier kann sich jeder Hundebesitzer selbstkritisch hinterfragen, ob er in der Hunde-Partner-Börse der totale Knaller mit vielen Followern wäre oder eher in die Luschenschublade rutschen würde.
Typisch für eine sichere Bindung im Mensch-Hund-Team ist, dass der Hund sich stark am Besitzer orientiert und trotzdem fröhlich neue Situationen und Umgebungen erkundet. Ein sicher gebundener Hund sucht von selber immer wieder die Nähe zum Besitzer, weil dies bei ihm ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit auslöst. In stressigen Situationen wird er den Kontakt zum Besitzer suchen, denn im Zweifelsfall wird dieser die unangenehme Situation für seinen Vierbeiner lösen.

Hilfreich für eine stabile Bindung ist die soziale Passung:

der Husky wird sich stärker an den Marathonläufer binden als die englische Bulldogge und der wasserliebende Labrador wird sich besser mit dem Stand Up-Paddler verstehen als der verfrorene Pinscher. Immer wieder kann man deshalb nur dazu aufrufen, sich ernsthaft mit den Bedürfnissen des Hundes vor seiner Anschaffung auseinander zu setzen. Im Moment kommen zum Beispiel viele Herdenschutzmischlinge aus dem Ausland zu uns, die weder eine große Kooperationsbereitschaft, noch eine enge körperliche Bindung suchen, zum Leidwesen ihrer in der Etagenwohnung lebenden, kuschelbedürftigen neuen Besitzer.

Es gibt, was die real gezeigte Nähe zum Bezugsmenschen angeht, markante Rasse-Unterschiede.

Während Retriever oft gar nicht genug Körperkontakt haben können und sich stundenlang streicheln lassen, sind andere Rassen, wie viele Hütehunde, die Japaner (Akita und Shiba Inu) mit Sicherheit genauso bindungsfähig, zeigen dies aber mit deutlich weniger Körpernähe. Sie haben uns dafür immer im Blick und versuchen jede unserer Handlungen zu deuten.
Selbständig arbeitende Rassen wie die Meute-Jagdhunde Beagle und Basset oder die wehrhaften Terrierrassen haben kein Problem damit, sich weit von ihrem Menschen zu entfernen, das gehört sozusagen bei ihrer Job-Beschreibung mit dazu, trotzdem können sie eine sehr enge Bindung zu ihrem Menschen haben. Eine enge Bindung sollte deshalb auf keinen Fall mit einem guten Grundgehorsam verwechselt werden.

Schwierig wird es bei den Hunden aus dem Ausland, die ihre Sozialisierungsphase komplett ohne Menschenkontakt verbracht haben. In Deutschland angekommen, entwickeln sie zwangsläufig eine Beziehung zu ihren Besitzern, aber eine stabile Bindung aufzubauen, die auch in Stress-Situationen trägt, dauert oft Jahre.

Eine sich neu entwickelnde Beziehung braucht ihre Zeit.

Nur weil wir schon ein Gefühl der Liebe für den gerade frisch eingezogenen Pauly empfinden – es ist eher ein Verliebtsein – wächst ernsthafte Bindung über Wochen und Monate.
Ein im ersten Moment widersprüchliches Symptom einer sich stabilisierenden vertrauensvollen Beziehung ist, dass sich ein Hund in seiner neuen Familie Frechheiten heraus nimmt, plötzlich etwas vom Tisch klaut oder sich genüsslich den leckeren Pferdeapfel reinpfeift, obwohl wir doch schon zig Mal gerufen haben. Nicht schön, und auf jeden Fall desillusionierend, was die Sache mit der Liebe betrifft, aber tatsächlich ein Zeichen, dass so viel Vertrauen gewachsen ist, dass hund nicht mehr damit rechnet, wegen eines Vergehens gleich aus dem Rudel verbannt zu werden.

Sich zu trauen, Mist zu bauen, ist also ein Zeichen dafür, dass unser Tierschutzhund angekommen ist. Bitte nicht zu verwechseln mit dem Junghund, der in die Pubertät kommt und deswegen lang Geübtes in Frage stellt.

In eine gute Bindung muss man Zeit und ernsthaftes Interesse investieren, dass gilt für 2- wie 4-beinige Beziehungen! Wenn ich mich in den anderen hineinversetze, seine Bedürfnisse anerkenne und die meinigen ehrlich vertrete, steht einem harmonischen Verhältnis nicht viel im Wege – also warum nicht im neuen Jahr hier einen Schwerpunkt setzen?

// von Daniela Terboven
Daniela Terboven betreibt ihre Hundeschule in:
24256 Fargau | Knüll 19 | Tel. 0 43 03-92 96 80 |
www.hundesport-und-tanz.de

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