Vom Glück, andere glücklich zu machen

23. Februar 2022
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Lena & Ariane erfüllen Träume – für sich und andere ©Fotografenteam „Fokusweite“

Ein Besuch in Kiels erstem nachhaltigen Brautmodengeschäft, in dem gebrauchte sowie fair produzierte Brautkleider aus Deutschland, erhältlich sind.

Die perfekte Feier, das perfekte Kleid – die Hochzeit ist ein oft lang gehegter Mädchentraum. Wer könnte also besser etwas zum Thema Erfüllung beitragen als eine Hochzeitsplanerin und eine Brautmodenausstatterin? In Kiel müssen wir nicht lange suchen, bis wir auf Lena und Ariane stoßen. Sie beide kennen diesen besonderen Moment, wenn Glück in den Augen eines Menschen sichtbar wird. Sie verraten uns, dass das Träumen längst nicht nur Mädchen vorbehalten ist. Und sie erzählen, wo sie selbst Erfüllung suchen und finden.

,,Ich beobachte immer wieder, dass es sich beim Kennenlerngespräch und später beim Trauungsgespräch, etwa einen Monat vor der Hochzeit, um zwei völlig verschiedene Paare handelt."

Mit wieviel Herz die beiden Frauen sich ihren Aufgaben widmen, spiegelt sich bereits in dem organisatorischen Drive wider, als es darum geht, unser Treffen einzutüten. Wenig später klingeln wir bei „Braut trifft Kleid“ in der Dänischen Straße im Herzen von Kiel. Schon das Treppenhaus ist so wunderschön, dass es einer jeden Braut leicht fallen mag, mit der idealen Gemütslage das Brautmodengeschäft zu betreten: einer der großen Schritte auf dem Weg zum schönsten Tag im Leben – und in ein hoffentlich erfülltes Eheleben.

Ariane Nickusch (37) begrüßt uns in Kiels erstem nachhaltigen Brautmodengeschäft, in dem ausschließlich gebrauchte sowie fair produzierte Brautkleider aus Deutschland, Brautschuhe und Accessoires erhältlich sind. Die gebürtige Brandenburgerin kannte ihre heutige Wahlheimat ursprünglich nur aus Ferien an der Ostsee. Ihre Lehrjahre und erste berufliche Schritte absolvierte sie in Kiel. Zurück in der Herkunftsregion fühlte sich das Fernweh nach der Fördestadt plötzlich vielmehr nach Heimweh an. „Obwohl ich alles hatte, was ich brauchte, fühlte ich mich nicht erfüllt“, sagt sie, „und mein Traum von der Selbstständigkeit hatte von Anfang an die Küste als Kulisse. Also kam ich zurück in den Norden!“

Lena Willers (32) stammt von der norddeutschen Westküste und ist auch erst über Umwege nach Kiel gekommen. Die Begeisterung für Hochzeitsfeiern entdeckte sie schon während ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau. In ihr neues Amt als Hochzeitsplanerin wuchs sie schnell hinein und übernahm dann zusätzlich die Aufgabe einer freien Trauungsrednerin.

Auf einer Netzwerkveranstaltung der norddeutschen Hochzeitsbranche begegneten sich Ariane und Lena zum ersten Mal. Nachdem sich ihre Wege bei Messen, Fotoshootings und Hochzeiten immer wieder gekreuzt hatten, kam es zu einem denkwürdigen Anruf. „Ich war schon länger auf der Suche nach einem freien Ladengeschäft, in dem man das gesamte Angebot rund um eine Hochzeit ansprechend präsentieren kann“, erinnert sich Ariane. „Als ich im Knooper Weg durch einen Zufall fündig wurde, hab ich Lena angerufen.“ „Wir hatten zwölf Stunden Zeit, uns zu entscheiden, weil es noch weitere Anwärter gab“, sagt Lena und lacht.

DAS HOCHZEITSATELIER – IHRE LEIDENSCHAFT

Sie wagten den gemeinsamen Schritt und eröffneten als gemeinsames zweites Standbein das „Hochzeitsatelier“, das sämtliche Dienstleistungen, Angebote und Optionen rund um eine Hochzeit unter einem Dach vereint und in Szene setzt. Mit viel Leidenschaft wurde renoviert, gestaltet und geplant. Dann kam Corona.

„Am Montag nach unserer kleinen Eröffnungsfeier haben wir noch aufgeräumt, ab Dienstag herrschte Lockdown. Wenn uns die Situation auch Angst gemacht hat, die Euphorie war noch da!“, betont Ariane. Eine ganze Weile hielten sie an ihrem Ladengeschäft fest, dann entschieden sie sich schweren Herzens, zu schließen. Doch die Idee ist nicht begraben, sondern auf unbestimmte Zeit auf Eis. Heute sitzen uns beide in Arianes Modegeschäft gegenüber, das erst vor kurzen seine neuen Tore im 2. OG der Dänischen Straße eröffnet hat. Für ausgewählte Veranstaltungen werden sie auch weiterhin zusammenarbeiten.

das Interview mit Lena und Ariane

Als Familienmensch, als Unternehmerin, als Reisende, als Sportfan – es gibt viele Lebensbereiche, in denen man Erfüllung findet. Wo findet Ihr eure?
Lena: Momentan erfüllt es mich total, wieder Vollzeit im Hotel-Servicebereich zu arbeiten. Dieser gewisse positive Stress liegt mir einfach. Den Dekoverleih für Hochzeiten betreibe ich für ausgewählte Paare weiter. Das kommt also allein aus dem Herzen und dient nicht als Existenzgrundlage. Die tolle Atmosphäre in unserer Wohlfühloase im Hochzeitsatelier vermisse ich allerdings. Innerhalb des Arbeitstages fühlte sich das regelrecht nach Luxus an.
Ariane: Erfüllung finde ich oft in den kleinen, simplen Dingen. Ein Sylturlaub im November, wenn nicht so viel los ist … Kalter Wind am Strand und danach einen heißen Kakao. Einmal nicht funktionieren zu müssen! Abgesehen davon kann ich sagen, dass mich mein Beruf und meine Selbstständigkeit komplett erfüllen. Mit Freude, aber auch mit Stolz.

Bescheiden oder pompös: Was sind die aktuellen Trends norddeutscher Brautleute?
Lena: Trends brauchen immer eine Weile, bis sie den Norden erreichen. Aber sind sie erst einmal da, bleiben sie lange. Goldenes Besteck ist ein gutes Beispiel. Das wollten plötzlich alle (schmunzelt). Angesagt ist Wildromantik und Maritimes – wenn auch nicht in der Deko. Wir haben hier eben keine Schlösser, sondern Leuchttürme.

Was überwiegt bei euren Kunden: Stress, Nervosität, womöglich sogar Panik? Oder einfach Vorfreude pur?
Ariane: Unterm Strich überwiegt die Vorfreude! Bei der Kleideranprobe hängt es zum Beispiel davon ab, ob die Braut schon viele Modelle in anderen Geschäften anprobiert hat. Wird es zu viel, wird man sozusagen satt, und die Euphorie nimmt ab. Vielmehr als an jenes EINE Kleid glaube ich persönlich an das ideale Setting einer Anprobe. Druck stellt sich nämlich erst dann ein, wenn der Spaß weg ist.

Die Hochzeit als Meilenstein – hat das bei Braut und Bräutigam einen ähnlichen Stellenwert?
Ariane: Tatsächlich kommen heute immer häufiger auch die künftigen Ehemänner mit zur Anprobe. Sich gemeinsam das Schönste auszusuchen, wiegt dann mehr als jede Konvention.
Lena: Ich beobachte immer wieder, dass es sich beim Kennenlerngespräch und später beim Trauungsgespräch, etwa einen Monat vor der Hochzeit, um zwei völlig verschiedene Paare handelt.
Beim ersten ist sie aufgeregt und er gelassen. Beim zweiten hat sie den Überblick, er wird langsam nervös.

Bekommt ihr nach Hochzeiten Feedback von Euren Brautpaaren?
Ariane: Gerade gestern habe ich von einer Kundin eine Nachricht erhalten, die mich sehr gerührt hat. 2019 hatte sie ihr Kleid ausgesucht. Aufgrund der Pandemie findet die Feier aber erst 2024 statt. Sie schrieb mir, dass sie immer noch total happy mit ihrem Kleid sei!
Lena: Feedback gibt es fast immer. Und sonst holen wir es uns! Hin und wieder ist die Eventplanung ganz schön herausfordernd. Dann ist es ein authentisches Dankeschön, über das man sich am allermeisten freut.
Ariane: Dankbarkeit ist ein gutes Stichwort. Erfüllung und Dankbarkeit gehen Hand in Hand. Gerade in Zeiten wie diesen erfüllt es mich trotz aller aktuellen Sorgen mit tiefer Dankbarkeit, wo und wie wir leben und welche Freiheiten wir genießen.

www.brauttrifftkleid.de

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