Die erste Prägung beginnt schon sehr früh bereits im Mutterleib. Dort werden über die Ernährung der Mutter schon erste Geschmacksvorlieben geprägt. Das Fruchtwasser schmeckt nach der von der Mutter aufgenommenen Nahrung. Wie Studien zeigen (NVS II), nehmen Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten mehr Fette, Fleisch und Wurstwaren, gesüßte Getränke und Bier zu sich, während Menschen mit einem höheren sozioökonomischen Einfluss einen überwiegenden Verzehr von Obst, Gemüse, Fisch und Schalentieren aufwiesen. Die Trinkmenge war höher und wurde vornehmlich durch Wasser gedeckt, aber es wurde auch mehr Sekt und Wein konsumiert. (Greta-Studie)
Kinder leben von Vorbildern und übernehmen viel mehr Eigenschaften und Verhaltensmuster von uns Erwachsenen, als es uns vielleicht lieb ist. Das gilt auch für ein gesundes Ess-Verhalten.
Über das Stillen wird weiterhin der erste Geschmack geprägt. Im Vergleich zu Flaschenkindern, deren Milch täglich gleich schmeckt, haben gestillte Kinder durch die Variationen des Muttermilchgeschmacks einen „Heimvorteil“ für das Heranführen an den Familientisch. Sie probieren mehr aus und essen vielseitiger.
Der Geschmack entwickelt sich ein Leben lang! Kinder lieben von Natur aus fettige und süße Speisen. So könnte bei dem relativ hohen kindlichen Energiebedarf das Befüllen des kleinen Magens mit energiedichter Nahrung historisch durchaus Sinn ergeben. Kein Kind sollte gezwungen werden, etwas zu probieren. Viel wichtiger ist die positive Grundstimmung der Eltern, eine Einladung Neues mit allen Sinnen probieren zu dürfen und ein Nein einfach zu akzeptieren. Es braucht ca. 10 bis 15 Anläufe, bis neue Lebensmittel angenommen werden.
Schwierig wird es nur, wenn die Eltern und Kinder auf der „das mag ich nicht, das esse ich nicht“-Stufe stehen bleiben und die großen Kleinen weiter auf ihr geliebtes Nutella-Toast, Grießbrei oder Hackbällchen in Tomatensoße bestehen. Das Ergebnis ständiger Diskussionen und Verhandlungen für ein mehr an Obst und Gemüse sind dann häufig faule Kompromisse wie Obst-„Quetschies“ oder die drei Gurkenscheiben auf dem Salamibrötchen.
TIPP: Der Grundsatz am Familientisch, das Eltern entscheiden, wann, was und wie gegessen wird und die Kinder entscheiden dürfen, ob und wieviel sie davon essen, ermöglicht entspannte Mahlzeiten.
Meinen Kindern habe ich oft erzählt, dass kleine Kinderzungen lernen möchten, wie eine rote süße Erdbeere schmeckt oder wie ein Knäckebrot im Mund kracht oder ein Schokoladenstück schmilzt.
Auch die Zunge wächst im Mund mit und täglich kommt eine neue Geschmacksknospe dazu. Wenn diese nicht beständig mit neuen Sinnen versorgt wird, verkümmert sie und kann nicht groß werden. So waren dann plötzlich über Nacht neue Geschmacksknospen für Oliven, Broccoli, Tilsiter oder Vollkornbrot geboren. Das klappte ganz gut und war eine witzige Metapher, um zum Probieren zu animieren!
(….nur der Geschmacksnerv für Rosenkohl scheint der Mutation zum Opfer gefallen zu sein)
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